LX 12 im Wandel derZeit

Das Schmuckblatt LX 12 ist eine der interessantesten Ausgaben der DDR – Telegramme. Es lief von Dezember1953 bis zum Ende der Gültigkeitsdauer der DDR Schmuckblatttelegramme Ende Dezember 1991. In dieser Zeit erfuhr es als eines von wenigen Telegrammen einen Motivwechsel und eine Änderung der verwendeten Sprache.

Doch alles der Reihe nach.

LX 12 wurde zum Ende des Jahres 1953 zusammen mit LX 8, LX 10 und LX 11 herausgegeben (s. Abb. 1). Als Motiv wurden Steingartenblumen gewählt. Die Gestaltung erfolgte durch Edi Kallista (s. Verfügungen und Mitteilungen des Ministeriums für Post und Fernmeldewesen Nr. 395/1953). Obwohl es zu den am meisten verwendeten Schmuckblättern gehörte, wurde es 1966 mit deutscher Beschriftung zurückgezogen und nur noch mit sorbischer Beschriftung angeboten (Hausmitteilung des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen vom 28.März 1966). Doch wie kam es dazu?

In der Verfassung der DDR war die sorbische Minderheit besonders geschützt und sollte gefördert werden. Im Jahre 1956 beschloss man daher von Seiten der Post, ähnlich dem „sozialistischen Bruderstaat UDSSR“, zur Förderung und Stärkung des sorbischen Volkstums, ein Schmuckblatttelegramm mit sorbischer Beschriftung heraus zu geben. Dies erfolgte mit dem LX 12/56 sorb. zum 01.10.1956. Laut Verfügung 253/1956 durfte dieses nur in dem Teil des BPF Dresden und Cottbus umfassenden, sorbischen Sprachgebiets angeboten werden.

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Abb. 1: LX 12 des Jahres 1953

Aufgrund der exakten Gleichheit der Druckvermerke des deutschen und des sorbischen Telegrammes von 1956, ist davon auszugehen, dass die sorbische Fassung kurzzeitig nach Auswechselung des deutschen Textes in einer Auflage von wenigen hundert Stücken mitgedruckt wurde.

Leider enthalten die frühen Telegramm – Ausgaben von VEB Volkskunstverlag Rei- chenbach, VEB Lehrkombinat Otto Grotewohl und der Aufbau – Druckerei Köthen keine Angaben zur Auflagenhöhe, so dass hier geschätzt werden muss.

Aus einem internen Schriftverkehrs zwischen dem Ministerium für Post und Fernmeldewesen einerseits und dem Leiter der Bezirksdirektion Dresden andererseits, geht hervor, dass der Verbrauch an sorbischen LX monatlich ca. 5 – 8 Stück betrugt und der Vorrat wohl noch bis Ende 1958 reichen würde. Somit dürften kaum mehr als 300 sorbische LX mit 1956er Druckdaten existieren (Leiter der Bezirksdirektion für Post und Fernmeldewesen in Dresden vom 11. Juni 1957). Momentan sind von diesem Sorbischen LX nur ca. 4 Stücke bekannt.

Von 1962 bis 1967 wurde das Format dann auf A5 hoch umgestellt. Von dieser Varian- te sind 10 verschiedene DV mit deutschem Text bekannt. Laut Katalog von Peter N. Morgen Ausgabe 2008 existieren die beiden DV von 1964 auch mit sorbischem Text und identischem DV. Diese beiden LX haben der Fachgruppe bisher aber noch nicht vorgelegen! Möglicherweise sind sie noch seltener als das 1956 er Telegramm!

1967 erschien dann nach dem Rückzug in deutscher Sprache, ein weiteres LX 12sorb. im Format A5 hoch (Abb. 2), bevor es nur noch sorbische LX 12 im Querformat gab.

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Abb. 2: LX 12sorb. Im Format A5 hoch

Der Rückzug des LX 12 in deutscher Sprache wird seitens der Post nicht begründet und verwundert insofern, als das LX 12 das am meisten verlangte Schmuckblatt war, wie eine Aufstellung über verbrauchte Vordrucke aus dem Jahr 1965 zeigt, wo es mit 358 000 Stück auf 13,6 % der ausgelieferten LX Menge kam (s. Abb. 3). Von 1974 bis 1984 erschienen dann 6 Ausgaben im Format A5 quer mit ausschließlich sorbischer Beschriftung (s. Abb. 4).

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Abb. 3: Aufstellung über verbrauchte Vordrucke aus dem Jahr 1965

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Abb. 4: Ausgabe im Format A5 quer mit ausschließlich sorbischer Beschriftung

Ab der Ausgabe 1987 wurde ein neues Motiv „Sorbische Trachtenschleife“, eingeführt (s. Abb. 5).

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Abb. 5: LX 12 mit neuem Motiv „Sorbische Trachtenschleife“

Doch dieses hatte es noch mal in sich. Wegen des geringen Bedarfs wurde das sorbische LX 12 nicht jährlich nachgedruckt. Eine Aufstellung über ausgelieferte LX in 1972 (s. Abb. 6) belegt den geringen Bedarf an sorbisch sprachigen LX, der gerade mal 750 Stück oder 0,028% des Verbrauches an LX beträgt.

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Abb. 6: Abforderung der Telegrammformulare im Jahre 1972

Nach der Auflage von 5000 Vordrucken in 1987 war erst im Frühjahr 1989 eine weitere Tranche mit 9000 LX geplant. Weil jedoch der Außenhandel mit einigen Händlern im Westen kooperierte und für deren Vordruckalben (zum Beispiel Krüger) die benötigten LX bereitstellte, kam es im November 1988 zu einem unerwarteten Engpass. Der Export benötigte 3150 LX 12 zu Ende Dezember. Es waren jedoch nur noch 2000 Vordrucke im Lager. Aus der Korrespondenz zwischen dem Außenhandel und der Ostsee Druckerei Rostock geht hervor (Bundesarchiv, November 1988- Seiten 396+397), dass man sich auf eine Außerplanmäßige Zwischenauflage von 2000 Exemplaren verständigte. So konnten die benötigten 3150 Stück noch im Dezember ausgeliefert werden. Möglicherweise ist die gesamte Zwischenauflage in den Export gegangen. Bisher sind nur ganz wenige ungebrauchte Stücke aufgetaucht. Es könnte sich lohnen, in den Vordruckalben der Hersteller danach zu suchen, sofern diese noch komplett vorhanden sind und nichts entnommen wurden.

Es lohnt sich also, sich näher mit diesem hochinteressanten LX 12 zu beschäftigen. Vor allem mit den sorbischen Varianten. Tabelle 1 enthält eine Übersicht der bisher bekannten Auflagen.


Format

deutscher Text

sorbischer Text

Auflagen gesamt

A4

18

1

19

A5 hoch

10

1-3

11-13

A5 quer

6

6

A5 quer Schleife

3

3

Tabelle 1: Auflagen von LX 12

Sollte Jemand ein sorbisch sprachiges LX 12 mit DV von 1964 besitzen, bittet der Autor um eine Kopie mit erkennbarem DV.

Norbert Lüning, Ahlen

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