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Lx 22, die "Blaue Mauritius" unter den Schmuckblatttelegrammen

Beim Lx 22 handelt es sich um ein ganz besonderes Schmuckblatttelegramm mit einigen Merkwürdigkeiten und Besonderheiten.

Da man bei der Post erkannt hatte, dass Lx - Telegramme eine lukrative Einnahmequelle darstellten und der Absatz etwas stagnierte, sann man auf Abhilfe. Es wurden Wettbewerbe zur Erlangung neuer Entwürfe gestartet, die aber keinen ausreichenden Erfolg brachten.

Schließlich bemühte man sich um die Rechte an Werken verschiedener Künstler. Unter anderem um eine Kaltnadelradierung von Erich Paetz. Diese neuartige, als künstlerisch hochwertig angesehene Technik, so meinten die Verantwortlichen, würde Anklang finden (Abb. 1).

Doch leider machte man die Rechnung ohne den Wirt. Anders als für gewöhnlich führte man von Seiten des Ministeriums keine Meinungsforschung durch, da es ja eine Reproduktion eines bekannten Werkes war und kein neuer Entwurf. Dies sollte sich jedoch später rächen.

Weil mal wieder Papiermangel herrschte, sah sich die Druckerei nicht in der Lage, die Lx bis zum Winteranbruch zu realisieren. Deshalb wurde der Versuch unternommen, diese Ausgabe auf Kunstdruckpapier zu drucken, welches man für eine Kaltnadelradierung für besonders geeignet hielt. Die Druckerei sagte zu, die Andrucke im November zu liefern. Ein korrigiertes Andruckexemplar befindet sich im Archiv des Museums für Kommunikation Berlin.

Nach Erteilung der Druckgenehmigung am 27.11 1962 sagte die Druckerei eine Erstausstattung der Postämter bis zum 20. Dezember 1962 zu. Dieses scheint wohl geklappt zu haben. In der Verfügung 214 / 50 vom 22.11.19621 meldet die Post dass nunmehr ab Mitte Dezember Lx 22 zur Verfügung steht. Weshalb das Lx den Text "Winterfreuden in Erfurt", Farblithografie von Erich Paetzold, Schmalkalden trägt, ergibt sich nicht aus den Akten.

Nun rächte sich die nicht durchgeführte Meinungsforschung. In den Zeitschriften und Zeitungen wurde das Lx heftigst kritisiert und als minderwertig bezeichnet. Eine Zeitung fragte nach, warum nicht der wirkliche Künstlername verwendet wurde. Daraufhin musste das Ministerium die Verwendung eines Pseudonyms eingestehen.

Im Museum für Kommunikation Berlin befinden sich zwei Exemplare, eines davon mit korrigiertem Künstlernamen. Davon ein Exemplar mit Aktenlochung , aus einer Vorlagemappe eines Postamtes. Zwei weitere ungebrauchte Exemplare befinden sich in Sammlerhand.

Aufgrund der anhaltenden Kritik sah sich das Ministerium veranlasst, eine Meinungsforschung durchzuführen. Diese bescherte der Post eine vernichtende Kritik.

Gleichzeitig wurde dem Amt für Materialwirtschaft der weitere Bedarf an Lx 22 mitgeteilt. Der Nachdruck von Anfang 1963 trägt dann den korrigierten Künstlernamen Erich Paetz, Weimar.

Ende März 1963 erfolgte jedoch bereits das endgültige Aus von Lx 22. Das Ministerium erwirkte die sofortige Druckeinstellung noch im März. Bis zur Mitteilung der Deutschen Post „Das Lx 22 steht nicht mehr zur Verfügung…“ im November des gleichen Jahres, dürften die Bestände noch verwendet worden sein, wenn denn Jemand im Sommer ein Wintermotiv verlangt haben sollte.

Warum sich bisher nur so wenige Exemplare gefunden haben, ist noch nicht ausreichend geklärt. Von den meisten anderen Schmuckblättern befinden sich gerade von der Erstauflage genügend Exemplare auf dem Markt. Eventuell wurden Teile der Erstlieferung wegen des Pseudonyms wieder zurückgefordert und vernichtet. Aber auch die Nachauflage von Anfang 1963 ist sehr selten, vermutlich wollte niemand das Lx 22 mehr versenden, es wurde ja schon Frühjahr.

Nachfolgende Tabelle zeigt den zeitlichen Verlauf in komprimierter Form.

26. November 1962
Andruck wird vorgelegt, wegen Papiermangel soll auf Kunstdruckpapier gedruckt werden.
22. Dezember 1962
Verfügung Nr. 214 informiert über neues Lx 22
Januar 63
Brief des Ministeriums an Zeitungsredaktion bestätigt, dass ein Künstlername verwendet wurde.
Januar 63
MPF meldet den Bedarf an Nachlieferungen an das Amt für Materialwirtschaft, gleichzeitig fordert der Sektor Postwertzeichen zur Meinungsforschung auf.
März 63
Der Druck wird eingestellt.
November 63
Die Deutsche Post teilt mit, dass Lx 22 nicht mehr zur Verfügung steht.

Dem Autor sind bisher nur 3 Exemplare mit DV aus dem Jahre 1962 und ca.10 Exemplare von 1963 bekannt, die sich in Sammlerbesitz befinden. Hier die tabellarische Zusammenfassung der Telegramme mit nachgewiesenem Verbleib:

Druckvermerk Nachweis
1. Auflage 1 Exemplar im Museumsarchiv mit eingekreistem Lx 22 und Bemerkung in Rot (Andruck?)
1 Exemplar im Museumsarchiv mit berichtigtem Künstlernamen
1 Exemplar ungebraucht gelocht (in Sammlerhand)
2 Exemplare ungebraucht (in Sammlerhand)
2. Auflage ca. 10 Stück (in Sammlerhand)

Wer weitere Exemplare besitzt, wende sich bitte an den Verfasser, der eine Aufstellung aller bekannten Lx 22 erstellen möchte.

Norbert Lüning

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