20 auf 24 Pfg Briefmarke

original Thema anzeigen

22.01.08, 10:20:29

Jurek



Aus der Praxis sieht man, dass sehr vielen Sammlern und selbst mitunter auch Langjährigen (!), die genaue Zuordnung der DDR-MiNr. 439 mit ihren vielen
Varianten nicht genauer bekannt ist und nicht zuletzt wird da billigste Massenware oft für viel Geld angeboten, oder gar als die wertvolle überdruckte
„Urdruck“-Marke ausgegeben.
Auch (und da besonders) bei eBay gibt es immer wieder Angebote, die nicht richtig eingeordnet, bzw. auch eingeschätzt sind.
Natürlich brauche ich hier den Spezialsammlern dies gar nicht zu erklären, denn für sie ist auch der MICHEL Spezial deutlich genug.
Aber für den mitlesenden einfachen Sammler, möchte ich aufgrund der vielen negativen Erfahrungen damit, dies versuchen mit einfachen Worten zu erklären,
ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen. (Bitte ggf. weiter nachzufragen!).

Zuerst mal handelt es sich dabei um einen Überdruck 20 auf 24 (Pfg), und nicht umgekehrt, wie einer der eBay-Anbieter oben meint.

GRUPPENUNTERTEILUNG:
Diese Briefmarke (MiNr.439) wird im MICHEL-Spezial-Katalog in drei Gruppen: a, b und c aufgeteilt.
Und zusätzlich wird die „a“-Gruppe in zwei Untergruppen aufgeteilt, als römisch „I“ und „II“.
Anschließend gibt es von der „a“ und „c“ Gruppe noch eine Unterteilung in Neu- und Nachdrucke (im Katalog mit „ND“ angegeben)…

Die „aI“-Gruppe beinhaltet Urdruckmarken im Bdr. (d.h. die MiNr.414);
und „aII“-Gruppe beinhaltet Urdruckmarken im Odr. (d.h. die MiNr.371).

Die „b“-Gruppe beinhaltet eine Neuauflage der Odr.-Urdruckmarke (daher im Bild identisch mit „aII“, die nur deswegen „unpassend“ zum Bdr.-Serie
nachgedruckt wurde, damit man den Spekulationen mit der irrtümlich überdruckten Odr-Urmarke (statt NUR Bdr.) vermeiden kann.
Übertrieben gemeint, mit der „b“-Ausgabe, hat sich die Staatsdruckerei erlaubt eine Art „Fälschung“ von der teuren „aII“ herzustellen, die ihnen aber
nicht gelungen ist (obwohl sie die Originalplatten verwendet hatten), da damals die Farben nicht so gemischt wurden wie heute…, und man diese Ausgaben
doch voneinander unter der UV-Lampe (mit geschulten Blick) gut unterscheiden kann (im Vergleich mit der Urdruckmarke, d.h. der MiNr.371).

Die „c“-Gruppe ist nur rein für philatelistische Zwecke (schon mit Klischeestempel und ohne Gummi) in Odr.-Ferfahren hergestellt worden, aber diese
unterscheidet sich im Bild zu der Urdruckmarke mit der Aufschrift der Staatsbezeichnung, wo das letzte „E“ (von „DEUTSCHE“) über dem „A“ steht
und nicht über „T“ (von „DEMOKRATISCHE“) wie bei der Urdruckmarke…

Daher um welche Gruppe wird sich in der obigen Abbildung wohl handeln? Es ist eindeutig die „aIgND“! Katalogwert 0,20 M€. Für ca. 3,20€ wäre das zu viel!
(Übrigens den glänzenden Buchdrucküberdruck von Gruppe „a“ gab es NUR bei Untergruppe „I“).

Nun möchte ich diese scheinbar komplizierte Erklärung ausbauen:

Hier nur nebenbei als Info zu der Bezeichnung „g“ und „m“:
Die „aI“-Gruppe wie alle anderen Überdrucke dieser Serie, wurden im glänzendem Buchdruck-Überdruck versehen, aber bei dieser Markengruppe „aI“,
gibt es noch Überdrucke die einen matten Aufdruck haben und sich nicht „reliefförmig“ auf der Marke „durchgedrückt“ anfühlen sondern auf der Oberfläche bleiben…
Daher bezeichnet man solche Aufdrucke als „m“ für matten Offsettdruck-Aufdruck und „g“ für glänzenden Buchdruckaufdruck.

BUCHDRUCK (Bdr.) / OFFSETTDRUCK (Odr.):
Die ganze „aI“-Ausgabe (inkl. ND) ist im Buchdruck-Markenbild hergestellt worden, und alle übrigen Gruppen und Untergruppen ab „aII“- in Offsetdruck-Markenbild.
Der Unterschied zwischen beiden Druckarten ist leicht daran zu erkennen, dass der Odr., weist winzige Punkte, aus denen das Bild besteht, und der Bdr.-Bild
wird aus Linien gebildet. =(In unterer Abbildung sind die ersten 2 Marken im Bdr., die restlichen im Odr.-Verfahren gedruckt worden).

ZUR ENTWERTUNG:
Diese Briefmarke wird im MICHEL-Spezial in 5 Gruppen der Entwertungen unterteilt.
Der erste schraffierte Kreis bezieht sich (wie üblich) auf (meist) gummierte Frankaturmarken, die zu Sammelzwecken von der Post entwertet wurden.
Die zweite Gruppe der Entwertungen bezieht sich auf Briefmarken aus dem Postbedarf.
Die dritte Gruppe bezieht sich auf Frankaturen auf Belegen…
Die vierte und fünfte Gruppe bezieht sich auf spätere maschinell entwertete Ausgaben für philatelistische Zwecke (ND) als Einzelmarken bzw. Vierblöcke mit einem
Klischee-Vollstempel in der Mitte …
Diese unterscheiden sich von den ersten drei Gruppen der entwerteten Marken dadurch, dass sie (meistens) keinen Vollstempel haben und schlecht
gezähnt sind, und wurden ohne Gummi hergestellt. Sie wurden jeweils ganzbögig maschinell, durch ein Aufdruck der Stempel, entwertet, der jeweils
ein Viertel (vom Eck aus gesehen) der Briefmarke einnimmt.
Daher der ganze Stempel wäre relativ genau auf die Ecken der vier Briefmarken des Viererblocks aufgeteilt.
Deren vielfache Charakteristika unterscheiden diesen von einem echten Stempelabschlag.

Die einzigen wertvollen Ausgaben dieser überdruckten Marke, die sich überhaupt wirklich für eBay ab 1,-- € (und mehr) eignen würden, wären nur drei BPP-geprüften
(oder mit Vollgarantie) Varianten:
Entweder mit stehendem (Gruppe: „aI YI“) oder selten vorkommendem („bII XII“) liegendem Wasserzeichen;
oder die Gruppe „aII“, die irrtümlich überdruckte Urdruck-Ofd-Marke MiNr.371.
Alles andere ist zwar interessant, aber billige Massenware.

Ich hoffe damit nicht allzu verwirrend gewesen zu sein und für ev. Nachfragen stehe ich und Andere jedem Fragesteller gerne zur Verfügung.

Hier nachstehend im Bild noch die ganzen wesentlichen Gruppen (v.l.n.r.):
aI; aIND; aII; bII; c.
Dateianhang (verkleinert):

 439aI - aIND - aII - bII - cND.jpg (176.12 KByte | 82 mal heruntergeladen | 14.1 MByte Traffic)

03.02.08, 17:47:20

Jurek

Was ich noch im Interesse der Sammler in Verbindung mit dem nachfolgenden eBay-Angebot erwähnen möchte, das sind oft widersprüchlich erscheinende Anzeigen, die leicht ins Auge gehen können, wenn versucht wird mit Worten zu tricksen …
Abgesehen davon, dass der Verkäufer zum Schluss jegliche Garantie von sich weist, will er garantieren, dass es sich bei seiner Briefmarke um die MiNr. 371 (Urdruck) mit Überdruck handelt.
Allzu oft wird diese Briefmarke mit der „b“ Marke verwechselt, die durchaus auch in Tönen variiert und erst unter UV die Sicherheit preisgibt =(habe das schon oft aus den Berichten der Sammler erlebt), und von einem BPP-Prüfer ungeprüft ist es nie sicher, ob man auch 1,-- € + Porto da für billige Massenware (ohne Rückgaberecht und eigentl. keiner Garantie) verschwenden würde…
Die gezeigte Briefmarke, ist mit einem Stempel von GREIZ am 19. Okt. entwertet worden (habe vergebens versucht die Briefmarke etwas besser sichtbar zu machen…). Leider sieht man gerade bei derart Briefmarke (absichtlich?) bei derart schlechten Abbildung, das Jahr nicht.
Aber diese Marke „aII“ wurde erst ab November 1954 herausgegeben, und auch nur an
bestimmten Postämtern.
Zumindest mir ist nichts darüber über GREIZ (b. Gera) als Ausgabepostamt bekannt…

Bei solchen dubiosen Angeboten lieber die Finger davon lassen!
Dateianhang:

 eBay-Ang..jpg (11.32 KByte | 35 mal heruntergeladen | 396.21 KByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 eBay.jpg (138.12 KByte | 35 mal heruntergeladen | 4.72 MByte Traffic)

08.02.12, 18:02:30

Jurek

geändert von: Jurek - 08.02.12, 18:05:47

Ein sonderbares Angebot (LosNr.: 14746) bei der GÄRTNER-Auktion, welches zurrecht inzw. zurückgezogen wurde.
Da wurde in Bulgarien ein ATTEST von 1990 (in kyrillisch) erstellt, welches diese nachfolgende Marke tatsächlich als die Urmarke MiNr. 439aII kennzeichnen soll!
Und was für eine Singatur (neben dem Attest!!) auf scheinbar dieser wertvollen Briefmarke! :shock:
Also der, der diesen ATTEST für diese angebliche Seltenheit ausgestellt hat, hatte absolut keinerlei Ahnung von dem Gebiet, geschweige diese Leute wissen nicht, wie ein Urdruck noch ein echter Stempel aussieht! …… :rolleyes:
Dateianhang (verkleinert):

 Darstellung.jpg (64.29 KByte | 36 mal heruntergeladen | 2.26 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 Vermdl-Urdr.jpg (161.97 KByte | 15 mal heruntergeladen | 2.37 MByte Traffic)

09.02.12, 13:38:06

Lumpus2000

Hallo Jurek,

hast du auch noch von dem Attest ein Bild und weist du zufällig wie lange diese Marke als echt "online" war?
Ich musste auch schon die Erfahrung machen das bei den Auktionshäusern leider keine Fachleute sitzen. Klar kann man nicht alles wissen aber ein paar grundlegende Kenntnisse setze ich voraus.
Danke + Grüße
Swen
09.02.12, 19:07:10

Jurek

Hallo Swen (bzw. hier) Herr Swen!

Nein, leider mit mehr Infos dazu kann ich hier nicht dienen, denn ich habe auch nur das an Infos, was dort unter den Verlinkungen (von mir oben) steht. Ich weiß auch nicht ab wann diese Änderung vorgenommen wurde. Dort ist auch kein ATTEST abgebildet noch gibt es welche Antworten auf deine Fragen, und mit dem Auktionshaus hatte ich mich deswegen auch nicht in Verbindung gesetzt.
Aber wohl jemand anderer hat dieses Auktionshaus deswegen kontaktiert, weshalb sie das von Angebot weggenommen haben (wie ich meine). Von selber wären die nicht drauf gekommen, sonst hätten sie es nicht reingestellt.
Fakt ist aber für mich (weil das nicht jetzt nur die eine Sache ist), dass ein Auktionshaus kein Garant für Echtheit noch richtige Preisgestaltung ist. … Also falls man dort was kaufen will (vor allem für Hunderte Euros, dann soll man sich damit zuerst selber gut auskennen und/oder Meinung eines Fachmanns dazu einholen.

Beste Sammlergrüße! ;)
 
Powered by: phpMyForum 4.1.3 © Christoph Roeder